Herbstfluten - Forum  
07 April 2008, 11:05 *

Als auf der Wandrung
Ich durch den Bergpaß schritt,
Das erste Farnkraut!

Kyoshi
 

"Herbstfluten" ist ein Kapitel aus dem "Wahren Buch vom südlichen Blütenland" (Nan Hua Zhen Jing) von Dschuang Dsi (Zhuangzi). In diesem Kapitel findet sich die Geschichte vom Brunnenfrosch. Ein Gleichnis auf Menschen, die sich besonders beschenkt oder erleuchtet vermeinen und ihre Erkenntnisse und Lehren laut herausquaken. Ohne dabei gewahr zu werden, dass sie in einem tiefen Brunnenloch sitzen und eigentlich noch gar nichts gesehen haben.

Uns hier im Herbstfluten - Forum interessieren nicht die Brunnen, sondern das Leben - der große Fluss der Dinge. Der Daoismus nach Dschuang Dsi (Zhuangzi) ist keine Religion und auch keine Philosophie, keine fluffige Esoterik und kein seichtes, unverfängliches Gefasel. Es ist eine Haltung. Begleitend zu den Herbstfluten wird zukünftig auch www.maschinenherz.com versuchen Dschuang Dsis (Zhuangzi) Lehre des Weges nachzuzeichnen.

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Autor Thema: Bertolt Brecht: Vaterlandsliebe, der Haß gegen Vaterländer  (Gelesen 1645 mal)
uloki
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« am: 25 August 2006, 20:57 »

Aus: Geschichten vom Herrn Keuner

Zitat
Herr K. hielt es nicht für nötig, in einem bestimmten Lande zu leben. Er sagte: "Ich kann überall hungern." Eines Tages aber ging er durch eine Stadt, die vom Feind des Landes besetzt war, in dem er lebte. Da kam ihm entgegen ein Offizier dieses Feindes und zwang ihn, vom Bürgersteig herunterzugehen.

Herr K. ging herunter und nahm an sich wahr, daß er gegen diesen Mann empört war, und zwar nicht nur gegen diesen Mann, sondern besonders gegen das Land, dem der Mann angehörte, also daß erwünschte, es möchte vom Erdboden vertilgt werden.

"Wodurch", fragte Herr K., "bin ich für diese Minute ein Nationalist geworden? Dadurch, daß ich einem Nationalisten begegnete. Aber darum muß man die Dummheit ja ausrotten, weil sie dumm macht, die ihr begegnen."

Wie auch in den Flüchtlingsgesprächen und im Salomon-Lied geht es um eine Tugend und die ihr innewohnende und durch sie zum Ausdruck kommende Dummheit.

Doch darüber hinaus gibt an ihr Brecht ein sehr plastisches, und gut nachvollziehbares, Beispiel für den Satz "Wer da sagt Schön schafft zugleich Unschön" von Lao-Tze.

Ein weiteres Element welches Brecht gemein hat, ist das realistische Menschenbild. Während ein Großteil der vorherrschenden Ideologien die Tugendhelden oder armen, schwachen Sünder propagieren und ihrer dringendst bedürfen, ist der Mensch im Daoismus einfach so wie er ist, er tut das, was er tun muss - da es die Umstände sind, die ihn dazu treiben. Nur ohne Beeinflussung kann er sich natürlich, "normal", sprich: seiner selbst entsprechend verhalten.
Gespeichert

Die ihre Natur verbessern wollen durch weltliches Lernen, um dadurch ihren Anfangszustand zu erreichen;
die ihre Wünsche regeln wollen durch weltliches Denken, um dadurch Klarheit zu erreichen, sind betörte und betrogene Leute.
Dschuang Dsi
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