Als Bertolt Brecht in den frühen Zwanziger Jahren noch seinen Stil nicht getroffen und mit seinen Ansichten noch keine Heimat gefunden hatte, schrieb er ein wenig bekannt gewordenes Stück Prosa. "Bargan läßt es sein" von 1921 atmet (oder röchelt) noch Rudyard Kipling und Jack London - wild, vulgär und aggressiv, doch unsentimental. Der erfolgreiche und von seiner Mannschaft vergötterte Piraten-Kapitän Bargan "verunglückt bei heller Sonne und vollen Segeln": Er verliebt sich in einen Mann seiner Truppe, den fetten, klumpfüßigen Croze, ein "böses und gefräßiges Kind". Die in nahezu jedem Aspekt ungleiche Beziehung ruiniert ihn.
Mag auch die Form eher irritierend und anstrengend sein - er bringt drastisch seine Erkenntnisse hervor: "Aufopfernde Liebe und Ergebenheit führen zu dem gleichen Resultat wie schamlose Gemeinheit und gnadenlose Feindschaft" (Werner Mittenzwei, in der Brecht-Biographie "Das Leben des Bertolt Brecht oder Der Umgang mit den Welträtseln").
Nicht verwunderlich diese Erkenntnis, denn sowohl aufopfernde Liebe, wie gnadenlose Feindschaft haben gemein, dass sie Regungen sind, die nicht der "
ursprünglichen Art" des Menschen entsprechen.
Kein Grund in Fatalismus und Weltschmerz zu verfallen - "
So ging es ihm, der ein großer Mann war, eine Anstrengung Gottes, so konnte es jedem von uns gehen, mitten im Licht wurde man überfallen, so unsicher sind wir alle auf diesem Stern.". Nur sich nicht so im Weltgetriebe aufreiben, dass man sich bei der Überkompensation umbringt.