Herbstfluten - Forum  
07 April 2008, 11:05 *

Als auf der Wandrung
Ich durch den Bergpaß schritt,
Das erste Farnkraut!

Kyoshi
 

"Herbstfluten" ist ein Kapitel aus dem "Wahren Buch vom südlichen Blütenland" (Nan Hua Zhen Jing) von Dschuang Dsi (Zhuangzi). In diesem Kapitel findet sich die Geschichte vom Brunnenfrosch. Ein Gleichnis auf Menschen, die sich besonders beschenkt oder erleuchtet vermeinen und ihre Erkenntnisse und Lehren laut herausquaken. Ohne dabei gewahr zu werden, dass sie in einem tiefen Brunnenloch sitzen und eigentlich noch gar nichts gesehen haben.

Uns hier im Herbstfluten - Forum interessieren nicht die Brunnen, sondern das Leben - der große Fluss der Dinge. Der Daoismus nach Dschuang Dsi (Zhuangzi) ist keine Religion und auch keine Philosophie, keine fluffige Esoterik und kein seichtes, unverfängliches Gefasel. Es ist eine Haltung. Begleitend zu den Herbstfluten wird zukünftig auch www.maschinenherz.com versuchen Dschuang Dsis (Zhuangzi) Lehre des Weges nachzuzeichnen.

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Autor Thema: Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra  (Gelesen 458 mal)
uloki
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« am: 06 Juni 2007, 10:44 »


Ob der schieren Masse beginne ich hier jetzt einfach mal, aus "Also sprach Zarathustra" von Friedrich Nietzsche möglicherweise bedeutsame Stellen herauszusuchen. Was keine sonderlich angenehme Arbeit ist, da Nietzsche zu diesem Zeitpunkt schon sehr lyrisch-schwülstig schrieb und sich nicht selten in Pathos und Pose verlor.

Das zentrale Thema des Buches, der "Wille zur Macht" läßt sich vermutlich nicht in einen daoistischen Kontext bringen. Das Konzept des Übermenschen, der sich überwindet und anstrengt, übt und lernt - kennen wir leider nur zu gut aus Buddhismus und Konfuzianismus. Doch vielleicht finden sich auch einige unverdorbene Ansätze und Aspekte des Übermenschen, die sich mit dem Daoismus nach Dschuang Dsi (Zhuangzi) vereinbaren lassen.

Zur Person von Friedrich Nietzsche wäre ein separates abstract sinnvoll (...) - in Alain de Bottons "Trost der Philosophie" findet sich eine hervorragende Beschreibung des Wesens und Werdens von Nietzsche.

Keine jenseitigen Freuden und Versprechen, in der Welt stehen...
Zitat von: Friedrich Nietzsche
Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu und glaubt
Denen nicht, welche euch von überirdischen Hoffnungen reden!
[..]
Einen neuen Stolz lehrte mich mein Ich, den lehre ich die Menschen:
- nicht mehr den Kopf in den Sand der himmlischen Dinge zu stecken,
sondern frei ihn zu tragen, einen Erden-Kopf, der der Erde Sinn
schafft!

...aber sich nicht zu ihr runterziehen lassen.
Zitat von: Friedrich Nietzsche
Fliehe, mein Freund, in deine Einsamkeit! Ich sehe dich betäubt vom
Lärme der grossen Männer und zerstochen von den Stacheln der kleinen.

Wer sich der Verwicklung entledigt hat, beginnt wieder als Kind in einem Fluss. Nietzsche wähnt hier aus den Erfahrungen seiner Zeit den Kampf als einzige Möglichkeit - durch weite Teile seines Werkes zieht sich dieser bittere (aber keinesfalls unbegründete), kontrastierende Fokus auf die Masse und verzerrt m.E. seine Aussagen erheblich.
Zitat von: Friedrich Nietzsche
Unschuld ist das Kind und Vergessen, ein Neubeginnen, ein Spiel, ein
aus sich rollendes Rad, eine erste Bewegung, ein heiliges Ja-sagen.

Ja, zum Spiele des Schaffens, meine Brüder, bedarf es eines heiligen
Ja-sagens: seinen Willen will nun der Geist, seine Welt gewinnt
sich der Weltverlorene.

Keine Ewigkeit, keine Götter.
Zitat von: Friedrich Nietzsche
was geliebt werden kann am Menschen, das ist, dass er ein
Übergang und ein Untergang ist.
[..]
Böse heisse ich's und menschenfeindlich: all diess Lehren vom Einen
und Vollen und Unbewegten und Satten und Unvergänglichen!

Ein vertraute Einstellung zu Lehren und dem Mythos von "Gut und Böse".
Zitat von: Friedrich Nietzsche
Ach, es giebt so viel grosse Gedanken, die thun nicht mehr als ein
Blasebalg: sie blasen auf und machen leerer.
[..]
Ach, das ist meine Trauer: in den Grund der Dinge hat man Lohn und
Strafe hineingelogen

Tugend und Werte
Zitat von: Friedrich Nietzsche
Werthe legte erst der Mensch in die Dinge, sich zu erhalten, - er
schuf erst den Dingen Sinn, einen Menschen-Sinn!

Andere dazu belehren wollen.
Zitat von: Friedrich Nietzsche
Ihr flüchtet zum Nächsten vor euch selber und möchtet euch daraus eine
Tugend machen

Und das Dinge auch mal leer sein müssen, um wieder gefüllt zu werden, versteht er.
Zitat von: Friedrich Nietzsche
Fast zu heftig strömst du mir, Quell der Lust! Und oft leerst du den
Becher wieder, dadurch dass du ihn füllen willst!

Als (gebranntes) Kind der Zeit scheint Nietzsche ein starkes, unabhängiges Ich unabdingbar, doch höher stellt er hier deutlich das Nicht-Willentliche - mit welchem das Ich angeblich konform geht.
Zitat von: Friedrich Nietzsche
"Ich" sagst du und bist stolz auf diess Wort. Aber das Grössere ist,
woran du nicht glauben willst, - dein Leib und seine grosse Vernunft:
die sagt nicht Ich, aber thut Ich.

Soweit zum ungefähr ersten Drittel des Werkes... Ich würde sagen, dass deutliche daoistische Grundzüge zu sehen, aber keine wirklich guten, prägnanten Bilder enthalten sind. Aus der Fülle des Pathos und Schwulstes läßt sich mühsam was heraussuchen - die Disproportion gibt einen unangenehmen Beigeschmack. Hier spricht jemand, der seine Füße nicht auf dem Boden, dessen Lied er vorgibt zu singen, hat. Das ist nicht die klare Berg-Luft von der er schwärmte, sondern der Mief biederer bürgerlicher Lesezimmer in dem noch der Weihrauch vom letzten Besuch des Pfaffen wabert....
Gespeichert

Die ihre Natur verbessern wollen durch weltliches Lernen, um dadurch ihren Anfangszustand zu erreichen;
die ihre Wünsche regeln wollen durch weltliches Denken, um dadurch Klarheit zu erreichen, sind betörte und betrogene Leute.
Dschuang Dsi
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