Epikur 341-270 v.d.Z.
Trotz vielerlei Anfeindungen verbreitete sich seine Philosophie 'der Lust' (Hedonismus) rasch über Syrien, Judäa, Ägypten, Italien und Gallien. Für 500 Jahre hatte sie - ohne diesen anzustreben - großen Einfluß und eigene Schulen, der erst durch den Einfluss von Barbaren und Christen, einhergehend mit dem Untergang des römischen Reiches schwand.
Von seinen über 300 Schriften ist nur sehr wenig erhalten geblieben, von seinen Gedanken jedoch einiges. Zentral ist für Epikur die Frage: Was macht uns wirklich glücklich? Epikur nennt drei Kategorien von Bedürfnissen:
- Natürlich und notwendig (Freunde, Freiheit, Nachdenken, Nahrung, Obdach, Kleidung)
- Natürlich, aber nicht notwendig (Luxusgüter)
- Weder natürlich noch notwendig (Macht, Ruhm)
Und er definiert den Glücksbegriff recht strikt: Glücklich sind wir, wenn wir keinen 'Schmerz empfinden' (Hunger, Kälte, Einsamkeit). Man fragt sich, wie der Hedonismus zu seinen Konnotationen gekommen ist...
"An alle Begierden muss man die folgende Frage richten: Was geschieht mir, wenn erfüllt wird, was das Begehren erstrebt, und was, wenn es nicht erfüllt wird?"
Praktisch heißt das: Umgibt man sich mit Luxus (und arbeitet wie ein Irrer dafür), um der Schönheit der Dinge und ihrer Wirkung auf sich? Oder versucht man nicht vielmehr, durch das Erlangen solcher Statusobjekte 'attraktiver' zu wirken, versucht das Glück, die Geborgenheit und die Freiheit die uns Medien, Werbung und unsere Kultur verheissen, zu erkaufen?
Der Geländewagen wird einen nicht frei machen, der Cashmere-Pullover nicht attraktiv, die Sammlung gekaufter japanischer Schwerter nicht interessant, die importierten Alkoholika bringen keine Freunde, der überperformante Rechner macht einen nicht zum Computer-Experten und die Designer-Couch vorm Kamin macht kein Zuhause.
Alles was über die natürlichen und notwendigen Bedürfnisse hinausgeht an Begierden ist Ausdruck einer 'leeren Einbildung' - die dummerweise das Fundament unserer westlichen Kultur darstellt. Bescheidene Glücksmomente, die kleinen (und meist völlig kostenlosen) Dinge - sie überhaupt noch wahrzunehmen, das Bedürfnis danach und die Befriedigung durch sie, ist vielen Menschen völlig abhanden gekommen. Schon zu Epikurs Zeiten....