Herbstfluten - Forum  
07 April 2008, 11:02 *

Der nahe Frühling
Verschleiert den ganzen Tag
die Schlucht mit Regen.

Tôyô
 

"Herbstfluten" ist ein Kapitel aus dem "Wahren Buch vom südlichen Blütenland" (Nan Hua Zhen Jing) von Dschuang Dsi (Zhuangzi). In diesem Kapitel findet sich die Geschichte vom Brunnenfrosch. Ein Gleichnis auf Menschen, die sich besonders beschenkt oder erleuchtet vermeinen und ihre Erkenntnisse und Lehren laut herausquaken. Ohne dabei gewahr zu werden, dass sie in einem tiefen Brunnenloch sitzen und eigentlich noch gar nichts gesehen haben.

Uns hier im Herbstfluten - Forum interessieren nicht die Brunnen, sondern das Leben - der große Fluss der Dinge. Der Daoismus nach Dschuang Dsi (Zhuangzi) ist keine Religion und auch keine Philosophie, keine fluffige Esoterik und kein seichtes, unverfängliches Gefasel. Es ist eine Haltung. Begleitend zu den Herbstfluten wird zukünftig auch www.maschinenherz.com versuchen Dschuang Dsis (Zhuangzi) Lehre des Weges nachzuzeichnen.

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Autor Thema: Epikur - Über die wirklich nötigen Dinge  (Gelesen 235 mal)
uloki
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« am: 12 Februar 2008, 23:43 »

Epikur 341-270 v.d.Z.

Trotz vielerlei Anfeindungen verbreitete sich seine Philosophie 'der Lust' (Hedonismus) rasch über Syrien, Judäa, Ägypten, Italien und Gallien. Für 500 Jahre hatte sie - ohne diesen anzustreben - großen Einfluß und eigene Schulen, der erst durch den Einfluss von Barbaren und Christen, einhergehend mit dem Untergang des römischen Reiches schwand.

Von seinen über 300 Schriften ist nur sehr wenig erhalten geblieben, von seinen Gedanken jedoch einiges. Zentral ist für Epikur die Frage: Was macht uns wirklich glücklich? Epikur nennt drei Kategorien von Bedürfnissen:
  • Natürlich und notwendig (Freunde, Freiheit, Nachdenken, Nahrung, Obdach, Kleidung)
  • Natürlich, aber nicht notwendig (Luxusgüter)
  • Weder natürlich noch notwendig (Macht, Ruhm)

Und er definiert den Glücksbegriff recht strikt: Glücklich sind wir, wenn wir keinen 'Schmerz empfinden' (Hunger, Kälte, Einsamkeit). Man fragt sich, wie der Hedonismus zu seinen Konnotationen gekommen ist...

Zitat von: Epikur
"An alle Begierden muss man die folgende Frage richten: Was geschieht mir, wenn erfüllt wird, was das Begehren erstrebt, und was, wenn es nicht erfüllt wird?"

Praktisch heißt das: Umgibt man sich mit Luxus (und arbeitet wie ein Irrer dafür), um der Schönheit der Dinge und ihrer Wirkung auf sich? Oder versucht man nicht vielmehr, durch das Erlangen solcher Statusobjekte 'attraktiver' zu wirken, versucht das Glück, die Geborgenheit und die Freiheit die uns Medien, Werbung und  unsere Kultur verheissen, zu erkaufen?

Der Geländewagen wird einen nicht frei machen, der Cashmere-Pullover nicht attraktiv, die Sammlung gekaufter japanischer Schwerter nicht interessant, die importierten Alkoholika bringen keine Freunde, der überperformante Rechner macht einen nicht zum Computer-Experten und die Designer-Couch vorm Kamin macht kein Zuhause.

Alles was über die natürlichen und notwendigen Bedürfnisse hinausgeht an Begierden ist Ausdruck einer 'leeren Einbildung' - die dummerweise das Fundament unserer westlichen Kultur darstellt. Bescheidene Glücksmomente, die kleinen (und meist völlig kostenlosen) Dinge - sie überhaupt noch wahrzunehmen, das Bedürfnis danach und die Befriedigung durch sie, ist vielen Menschen völlig abhanden gekommen. Schon zu Epikurs Zeiten....
Gespeichert

Die ihre Natur verbessern wollen durch weltliches Lernen, um dadurch ihren Anfangszustand zu erreichen;
die ihre Wünsche regeln wollen durch weltliches Denken, um dadurch Klarheit zu erreichen, sind betörte und betrogene Leute.
Dschuang Dsi
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